„Ich habe es gewagt!“ „Und?“ „Verloren!“

„Ich habe es gewagt!“

„Und?“

„Verloren!“

Sie hatte es sich gerade auf dem Sessel gegenüber von mir gemütlich gemacht und einen Kaffee bestellt, bevor wir zu dem Gespräch kamen.

„Wieso?“

„Es sollte eben einfach nicht sein! Aber das wusste ich schon bei jedem Treffen!“

Ich nahm einen Schluck aus meiner Tasse, um die aufkommende Trauer herunterzuschlucken. Darüber zu reden tat weh. Auch jetzt, Wochen später, trieb mir der Gedanke an ihn Tränen in die Augen. Ich sollte darüber hinwegkommen, sollte ich wirklich. An manchen Tagen funktionierte es, an anderen überhaupt nicht.

„Lag es an ihm?“ „Nein! Aber auch nicht an mir!“

Das stimmte. Niemand von uns war schuld gewesen. Ich hätte es auf meine Schüchternheit schieben können oder auch auf all die unpassenden Momente, die ich damals ungünstiger betrachtet hatte als sie eigentlich waren.

„Wie geht es jetzt weiter?“

„Ich sehe ihn nie wieder!“

Bis dato hatte ich diesen Gedanken nie laut ausgesprochen. Warum auch. Die Sache würde dadurch nicht besser werden. Eher schlimmer. Es wurde realistischer. Davon wollte ich mich eigentlich fernhalten.

„Denkst du, es wäre anders gekommen, wenn du es früher gewagt hättest“

„Vielleicht! Vielleicht aber auch nicht!“

„Aber du denkst trotzdem darüber nach, wie es gekommen wäre, wenn du schon vor einem Monat den Schritt getan hättest, wenn du einfach ins kalte Wasser gesprungen wärst!“

„Natürlich! Aber ich kenne ihn nicht gut genug, um zu sagen, was nun der Grund dafür gewesen wäre, dass er sich nicht gemeldet hat. Wahrscheinlich weiß er nicht einmal mehr, wer ich bin. Schließlich sind bereits einige Wochen vergangen! Ich habe ihn ja mehr oder weniger schon mit allem überfallen!“

„Du denkst, dass du ihn damit abgeschreckt hast?“

„Wahrscheinlich! Wenn ich mir alles zuvor nur eingebildet habe, dann habe ich ihn ja fast schon vor unveränderte Tatsachen gestellt!“

Es war ein gutes Nebeneinanderleben zwischen uns. Wir sahen uns jede Woche ein paar Mal. Das war’s dann auch schon. Nicht mehr und nicht weniger. Doch dann entwickelten sich in mir plötzlich Gefühle. Unerklärbare Gefühle. Sie kamen einfach so. Nichts hatte sich geändert. Wir sahen uns nicht öfters, wir sprachen nicht öfters. Trotzdem kamen die Gefühle auf. Dann war da noch der Zeitdruck. Die pochende Uhr in meinem Köpfchen, die mich nicht vergessen ließ, dass ich nur noch wenige Monate in Frankreich hatte. Ich musste handeln. Tat ich auch. Aber erst, als es nur noch ein paar Wochen bis zu meiner Abreise war. Dann sogar nicht selber. Sondern über eine andere. Wegen meinem Unfall. Ich fühlte mich feige.

„Aber er wusste doch den Grund, warum du dich nicht darum kümmern konntest. Das wird er schon verstehen!“

Trotzdem fühlte ich Feigheit in mir. Feigheit und Scham. Ich fühlte mich peinlich berührt. Gefühle offen darlegen, tat ich nie. Das war mir immer zu unsicher gewesen. Jetzt hatte ich es doch gewagt und verloren…

„Bist du dir eigentlich sicher, dass du verloren hast?“

„Ziemlich!“

„Ziemlich sicher?“

„Ich hab’s im Gefühl!“

„Wenn du dich täuschst?“

„Ich habe lange genug gewartet! Jetzt ist er mir egal!“

Damit schloss ich die Sache ab.

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Veröffentlicht von

Iris

2013 entschied ich meine Heimat in Bayern zu verlassen, um in Sachsen-Anhalt zu studieren. Drei Jahre später zog es mich dort fort, nach Frankreich. Jetzt, einige Monate später, bin ich zurück in Deutschland und plane bereits meine zukünftigen Wohnorte. Ich liebe es zu schreiben. Kleine Geschichten, lange Romane. Meistens sind sie ausgedacht, nie so geschehen, nur Teil meiner Fantasie. Aber ich liebe es mit dem Gedanken des Was-Wäre-Wenn zu spielen. Da die Texte wahrscheinlich dann eh nur in den letzten Ecken meines PCs verschwinden würden, möchte ich sie hier veröffentlichen. Ich will ihnen einen Platz geben, wo sie sich präsentieren können und gelobt sowie kritisiert werden. Ich möchte mich als Schriftstellerin weiterentwickeln. Das geht nur mit ernsthafter Kritik. Begleitet mich auf meiner Reise zwischen Realität und Fantasie, zwischen Wahrheit und Fiktion.

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