Langsam sind meine Nerven ausgelastet. Ich will nicht mehr.


Juli


Langsam sind meine Nerven ausgelastet. Ich will nicht mehr. Ich will nicht mehr mit der Schiene laufen, nicht mehr mit der dummen Krücke. Auch wenn es nur eine ist. Sie steht ständig im Weg, ich rutsche mit ihr ständig aus oder haue mich an. Dann bin ich letztens auch noch mit dem Fuß meines verletzten Beins umgeknickt. Resultat: Muskelüberdehnung. Langsam reicht es wirklich. Hinzu kommt, dass jetzt der Sommer beginnt. Alle reisen, sind im Freibad, Grillen bei Freunden oder liegen im Park. Ich kann das alles nicht machen. Denn dafür müsste ich zumindest ein bisschen laufen können. Mir ist aber alles zu anstrengend. Selbst zur Physiotherapie kann ich nicht laufen, auch wenn die nicht sehr weit von zuhause entfernt ist. So sitze ich also den ganzen Tag zuhause. Selbst auf dem Volksfest konnte ich nur ein paar Mal gehen, alles andere wäre körperlich zu anstrengend gewesen. Frustrierend ist dann auch noch die Tatsache, dass diese Situation noch eine Weile anhält. Dieses Jahr gibt es keinen Sommer, gibt es vor allem nicht den Sommer meines Lebens. Die Sache mit meinem Bein wird noch anhalten. Sehr lange sogar.


August


Der Unfall ist jetzt vier Monate, die OP drei Monate her. Mit meinem Bein steht es irgendwie immer noch schlecht. Die Schiene habe ich abgelegt, die eine Krücke leider immer noch nicht. Ich versuche es, aber irgendwann zieht mir meine Kniekehle. Ich komme dann sofort wieder in die schonende Haltung und winkel mein Bein beim Laufen nicht an. Das Bein selber ist immer noch geschwollen. Sehr viel mehr als 90 Grad Anwinkeln kann ich immer noch nicht, auf 0 Grad ausstrecken auch nicht. Meine Muskeln blockieren. Ich muss sie erst wieder an das ganze Prozedere gewöhnen. Es ist frustrierend. Andere können jetzt bereits wieder normalen Sport treiben, ich nicht. Ich kann nicht einmal normal laufen. Das einzige Erfolgserlebnis: ich kann endlich wieder auf dem Heimtrainer Fahrradfahren. Zumindest ohne Widerstand. Ich komme rum. Das ist das einzige, was einigermaßen Mut macht, dass es langsam vorangeht. Die Schmerzen im hinteren Oberschenkel, und ich denke, dass das Muskelkater ist, sind trotzdem weiterhin sehr unangenehm und blockieren mich. Ich habe jetzt nur noch zwei Monate, bis die Uni wieder anfängt, und ich dringend wieder normal laufen muss.


September Part I


Ich komme irgendwie voran. Die Betonung liegt auf irgendwie. Ich laufe immer noch mit einer Krücke. Grund? Fehlende Muskeln. Theoretisch ginge das Laufen, aber nur auf kurzer Strecke. Dann wird es anstrengend und schmerzhaft. Jetzt heißt es erstmal, langsam Muskeln aufbauen. Ich darf daheim Fahrradfahren, sogar mit Widerstand. So wie es für mich angenehm ist. Hinzu kommen Übungen für den Pomuskel und dem Muskel im Fuß, die beide irgendwie nicht mehr vorhanden sind. Mein Physiotherapeut macht mir zwar Mut und sagt, ich mache das alles ganz gut und gebe mein Möglichstes, aber frustrierend ist es trotzdem. Der Kopf sagt, ich schaffe das, aber das Bein kann einfach nicht, zumindest nicht soviel, wie es mal konnte. Auch nach vier Monaten nicht. Das schlimmste: da muss ich einfach durch, es gibt keine Alternative, keine leichtere Variante. Jeden Tag aufs Neue auf das Fahrrad für zwanzig Minuten steigen, Übungen machen, Bein dehnen, damit die verhärteten Muskeln locker lassen. Jeden Tag aufs Neue. Es ist also verständlich, dass der Frust groß ist.

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Veröffentlicht von

Iris

2013 entschied ich meine Heimat in Bayern zu verlassen, um in Sachsen-Anhalt zu studieren. Drei Jahre später zog es mich dort fort, nach Frankreich. Jetzt, einige Monate später, bin ich zurück in Deutschland und plane bereits meine zukünftigen Wohnorte. Ich liebe es zu schreiben. Kleine Geschichten, lange Romane. Meistens sind sie ausgedacht, nie so geschehen, nur Teil meiner Fantasie. Aber ich liebe es mit dem Gedanken des Was-Wäre-Wenn zu spielen. Da die Texte wahrscheinlich dann eh nur in den letzten Ecken meines PCs verschwinden würden, möchte ich sie hier veröffentlichen. Ich will ihnen einen Platz geben, wo sie sich präsentieren können und gelobt sowie kritisiert werden. Ich möchte mich als Schriftstellerin weiterentwickeln. Das geht nur mit ernsthafter Kritik. Begleitet mich auf meiner Reise zwischen Realität und Fantasie, zwischen Wahrheit und Fiktion.

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