Ich habe das letzte halbe Jahr viele Höhen und Tiefen gehabt, Schmerzen erlebt, die ich nie zuvor gefühlt hatte.


September Part II


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Alles lief endlich so gut, ich lief gut. Ich konnte meine Krücke beiseitelegen. Sobald ich nicht darüber nachdachte, humpelte ich nicht mehr. Ich war auf einem guten Weg, durfte auch endlich mit Sprungübungen beginnen. Nur ein paar, doch das genügte mir, um zu merken, dass ich langsam wieder zur Normalität fand. Alles schien so, als könnte ich tatsächlich mein Studium ohne Krücke und ohne Probleme beginnen. Falsch gedacht. Ich merkte bereits in meinem Urlaub, dass irgendetwas an meinem Knie nicht in Ordnung war. Erst schmerzte es an der einen Stelle, dann fing plötzlich eine andere an. Ich dachte, die würden auch allmählich wieder verschwinden. Doch sie blieben und wurden schlimmer. Mein Physiotherapeut ging davon aus, dass es vielleicht der innere Oberschenkelmuskel ist. Beim Arzt dann die mögliche Diagnostik: Vielleicht ist der Meniskus nicht richtig verheilt. Vielleicht hat sich dort Narbengewebe gebildet. Mein Knie wurde vorläufig mit einem Zinkleimverband übers Wochenende ruhig gestellt.


Oktober


Ich dachte, die Schmerzen würden besser werden. Sie tun es, eine Weile. Dann wird es wieder schlimmer. Mein Arzt ließ erneut ein MRT machen. Resultat: Entzündung im Innenband durch Überstrapazierung. Der Radiologe sieht außerdem einen Riss im Meniskus. Trotzdem laufe ich in die Uni, bis gar nichts mehr geht. Es tut zu sehr weh. Stattdessen wieder übers Wochenende ruhig stellen. Zwei Wochen ist es nicht klar, was genau die Diagnose ist. Zwei Wochen voller Angst vor einer erneuten OP. So habe ich mir den Wiedereinstieg ins Studium nicht vorgestellt. Ich habe soviel zu tun, aber mein Bein bremst mich aus. Eine Woche später kommt die Entwarnung: Kreuzband sitzt gut, Meniskus ist in Ordnung. Ich habe aber ein Ödem, eine Entzündung, die nur mit entzündungshemmenden Tabletten behandelt werden kann. Erleichterung pur. Dann geht es wieder bergauf. Die Schmerzen sind weg, ich kann die Krücke beiseitelegen, kann wieder Fahrradfahren, dehnen, versuchen auf einen Hocker zu steigen. Vor allem letzteres hört sich so einfach an. Ist es aber nicht. Nicht, wenn man im Bein keine Muskeln mehr hat. Mit dem Dehnen komm ich auch gut voran. Ich bin endlich bei knapp 100 Grad. Für mich schon eine riesiger Erfolg.


November


Die OP ist jetzt ein halbes Jahr her. Das bedeutet, dass ich nicht mehr länger zur Physiotherapie muss. Nur noch bis Mitte November, dann muss ich selber weitertrainieren, weiter Muskeln aufbauen. Meine Physiotherapeuten haben ihr bestmöglichstes gegeben. Jetzt liegt es an mir. Dehnen, Kraft aufbauen. Der erste Erfolg in Sachen Sport hat sich auch gezeigt. Zum einen bin ich auf dem Laufband Joggen gewesen. Zum anderen auf ein Trampolin gestiegen. Beides kontrolliert mit dem Physiotherapeuten. Beides hat geklappt, beides war aber auch super anstrengend. Diese neuen Erlebnisse haben mich trauen lassen, wieder mit Yoga anzufangen. Ich merke, dass ich komplett auf Null stehe. Vor allem die „Child pose“ macht mir Probleme. Genauso wie der „Tree“. Aber ich hetze mich nicht, bin auch nicht frustriert. Ich habe das letzte halbe Jahr viele Höhen und Tiefen gehabt, Schmerzen erlebt, die ich nie zuvor gefühlt hatte. Ich habe mir mehrmals gewünscht, dass es eine Abkürzung gibt. Die gab es aber zu keiner Zeit. Ich habe es überstanden, ich habe mein Bein wieder. Ich bin stolz auf mich.

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Veröffentlicht von

Iris

2013 entschied ich meine Heimat in Bayern zu verlassen, um in Sachsen-Anhalt zu studieren. Drei Jahre später zog es mich dort fort, nach Frankreich. Jetzt, einige Monate später, bin ich zurück in Deutschland und plane bereits meine zukünftigen Wohnorte. Ich liebe es zu schreiben. Kleine Geschichten, lange Romane. Meistens sind sie ausgedacht, nie so geschehen, nur Teil meiner Fantasie. Aber ich liebe es mit dem Gedanken des Was-Wäre-Wenn zu spielen. Da die Texte wahrscheinlich dann eh nur in den letzten Ecken meines PCs verschwinden würden, möchte ich sie hier veröffentlichen. Ich will ihnen einen Platz geben, wo sie sich präsentieren können und gelobt sowie kritisiert werden. Ich möchte mich als Schriftstellerin weiterentwickeln. Das geht nur mit ernsthafter Kritik. Begleitet mich auf meiner Reise zwischen Realität und Fantasie, zwischen Wahrheit und Fiktion.