Morgen ist heute schon gestern

„Und? Habt ihr euch verabredet?“

Sie war noch nicht einmal zur Tür rein, schon stand sie auf ihrer Matte. Sie hatte ihr versprochen, endlich den Mut zusammen zu nehmen und ihn nach einem Date zu fragen. Er hatte oft genug auf das Thema umgeschwenkt, hatte ihr eigentlich zu verstehen gegeben, wie gerne er die Unterhaltungen mit ihr hatte, und dass er es mag, wenn sie sich gegenseitig aufzogen. Die Angebote nach einer Verabredung versteckte er nur so gut, dass sie auch scherzhaft gemeint sein konnten. Darauf eingehen tat sie daher nie. Wäre es nämlich nicht so gewesen – und diese Möglichkeit bestand auch – wären die späteren beruflichen Treffen seltsam geworden. Also ließ sie es. Sie schüttelte den Kopf, auch dieses Mal wieder. „Warum denn nicht?“ Sie klang enttäuscht, wieder einmal. Schließlich ging es bereits seit einem halben Jahr so. Jedes Mal sagte sie, dass sie ihn darauf anspräche. Ihr wurde immer wieder gesagt, dass es gut gehen würde. Sie wollte das glauben. Wirklich. Tat sie aber nicht. Diese Sache war zu heikel.

„Wir kamen wieder auf dasselbe Thema!“

„Und?“

„Er meinte, ich könne ja deswegen zu ihm kommen!“

„Also habt ihr euch doch verabredet?“ Sie begann, aus dem Häuschen zu sein, doch sie trübte ihre Stimmung, schüttelte den Kopf. Sie blickte fragend drein. „Ich habe zwar gesagt, dass es super wäre, aber ich bin nicht weiter drauf eingegangen!“ Sie rollte mit den Augen. Verständlich. Würde sie an ihrer Stelle auch tun.

Sie lernte ihn vor einer Weile kennen – ‚beruflich‘. Sie verstanden sich von Anfang an gut. Das Eis war schnell gebrochen. Er hatte denselben schrägen Humor und verstand ihre Ironie. Sie waren sofort auf einer Wellenlänge. Nach kürzester Zeit wirkte es, als wären sie nicht mehr nur auf der ‚beruflichen’ Ebene, als wären sie in kürzester Zeit Freunde geworden. So sehr sie sich dann auch einredete, dass es nur diese besagte Freundschaft war, war ihr klar, dass sich in ihr der Wunsch nach mehr breitmachte. Mehr als nur berufliche Bekannte, mehr als nur Freunde. Auch versuchte sie sich auszureden, dass er vielleicht dieselbe Misere durchleben könnte. Mehr als nur berufliche Bekannte, mehr als nur Freunde. Nur damit sie selber von ihm loskam, und ihr Herz vielleicht nicht gebrochen wurde. Und weil sie nicht wusste, wie sich diese Barriere nun überwinden ließe, ohne sich zu blamieren, sollte sie sich doch geirrt haben, blieb sie still.

„Du redest dir nur ein, dass es nicht möglich ist, weil du Angst davor hast, zu deinen Gefühlen zu stehen!“

Sie schüttelte wieder einmal erst den Kopf, auch wenn sie ein Stück weit recht hatte. Sie hatte vor einer Weile wieder einmal nach langer Zeit einen Schritt gewagt und verloren. Sie hatte Bammel davor, das dasselbe bei ihm geschehen würde, auch wenn die Blamage nicht mehr präsent in ihrem Kopf war. Es war nicht die Angst vor dem Korb, die sie verstummen ließ. Es war die Angst davor, dass ihre Hoffnungen zerstört werden würden, sollte die Realität eine andere Wendung nehmen, als es ihr ihre Tagträume vorgaukelten. Sie war sich nicht mehr sicher, ob sie sich seine Zuwendung vielleicht nur eingebildet hatte. Waren seine Worte gar nicht die, für sie sie hielt? War er vielleicht nur beruflich so freundlich und meinte es nicht ernst? Waren seine Sprüche, sie solle doch zu ihm kommen nur dahin geworfene Aussagen? Täuschte sie sich vielleicht in ihm?

Wochen vergingen, bevor das letzte Mal anstand, in dem sie sich beruflich sehen würden, bevor sie nicht mehr mit einander ‚arbeiten‘ würden. Ein letztes Mal, an dem sie endlich ihren Mund aufmachen musste, bevor sie sich nie wieder sehen würden. Es war eine Alles-oder-Nichts-Situation. Das wusste sie.

Paar Tage später tat sie es. Sie fragte ihn tatsächlich…

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Veröffentlicht von

Iris

2013 entschied ich meine Heimat in Bayern zu verlassen, um in Sachsen-Anhalt zu studieren. Drei Jahre später zog es mich dort fort, nach Frankreich. Jetzt, einige Monate später, bin ich zurück in Deutschland und plane bereits meine zukünftigen Wohnorte. Ich liebe es zu schreiben. Kleine Geschichten, lange Romane. Meistens sind sie ausgedacht, nie so geschehen, nur Teil meiner Fantasie. Aber ich liebe es mit dem Gedanken des Was-Wäre-Wenn zu spielen. Da die Texte wahrscheinlich dann eh nur in den letzten Ecken meines PCs verschwinden würden, möchte ich sie hier veröffentlichen. Ich will ihnen einen Platz geben, wo sie sich präsentieren können und gelobt sowie kritisiert werden. Ich möchte mich als Schriftstellerin weiterentwickeln. Das geht nur mit ernsthafter Kritik. Begleitet mich auf meiner Reise zwischen Realität und Fantasie, zwischen Wahrheit und Fiktion.

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