Sie grinste, als sie ihn hier mitten in der Menschenmasse entdeckte.

„Schön, dich mal ohne Krücken anzutreffen!“

Sie grinste, als sie ihn hier mitten in der Menschenmasse entdeckte. Hier mitten auf dem Festgelände begegneten sie sich nur zufällig. Sie befand sich genau dort, wo sie ihm gesagt hatte, dass sie hier sein würde. Er lief an ihr vorbei, wie er sie das wissen gelassen hatte. Ihr Treffen war trotzdem zufällig. Sie hatten sich nicht verabredet, sie ließen den Zufall entscheiden. Es funktionierte. Um sie herum dröhnte die Musik, die Geräusche der Fahrgeschäfte, hunderte Menschenstimmen und Kindergeschrei. Der Geruch des Bieres stand in der Luft. Die Sonne hatte den ganzen Tag geschienen, die Erde erhitzt. Auch jetzt war es noch warm, obwohl der Abend bereits hereingebrochen war. Mittendrin standen sie. Seine Freunde waren bereits weiter gelaufen. Einige Meter. Sie warteten aber.


Ein paar Wochen hatten sie sich nicht mehr gesehen. Davor aber auch nicht sehr häufig. Nur ein paar Mal. Sie redeten, aber nie viel. Die Zeit war genauso begrenzt wie die Situation ungünstig gewesen war. Irgendwann trafen sie sich dann nicht mehr an dem Ort. Sie wusste, dass es so kommen würde. Aber sie wohnten ja in einer Kleinstadt. Sie wusste, dass sie ihn irgendwie wieder sehen würde. Gut. Das dachte sie früher auch bei anderen. Klappte nie. Aber bei ihm war sie sich sicher gewesen. Jetzt stand er tatsächlich vor ihr. Er grüßte sie nicht nur. Er hielt für sie an.

„Schön, dich mal in einer anderen Umgebung zu sehen!“

Er grinste. Wie immer. Mit seinem schönen Lächeln. Seinem ansteckendem Lächeln. Sie mochte es. Sehr sogar. Ihr hatte es die Wochen gefehlt, in denen sie sich nicht gesehen hatten. Auch das gegenseitige Aufziehen. Sie hatte ihre Unterhaltungen vermisst. Sie hatte ihn vermisst.

„Wo verschlägt es dich denn hin?“

Er gab seinen Kumpels einen kurzen Wink, dass er gleich käme, bevor er sich wieder an sie wandte. In der Zeit hatte sie einen kurzem Moment, in dem sie sich ihn betrachten konnte. Sie hatte ganz vergessen, wie gut er doch aussah. Seine schönen braunen Haare, seine wundervoll blauen Augen. Ja, sie hatte ihn die Zeit, in der sie sich nicht mehr sahen, vermisst.

„Ich weiß es noch nicht! Ich schau einfach mal, ob ich hier jemanden kenne!“

Er nickte.

„Wenn du niemanden findest, dann kannst du gerne bei uns vorbeischauen!“

Jetzt nickte sie. Doch noch bevor sie ihn um seine Handynummer fragen konnte, noch bevor sie ihn fragen konnte, wo sie denn genau sein würden, verabschiedete er sich von ihr. Seine Freunde drängten, sie wollten weitergehen. Er umarmte sie nicht, warf ihr nur ein „Ich muss gehen“ hin und wandte sich von ihr ab. So herzlich, wie er sie empfangen hatte, so kühl war dann doch der Abschied gewesen. Sie verstand nicht, wieso er auf einmal so war. Sie brachte noch ein „ja, okay, tschüss“ heraus, bevor er bereits wieder bei seinen Freunden war und weiterging. Sie blieb kurz stehen, blickte ihm hinterher, bevor er in der Menschenmasse verschwand. Sie setzte ihren Weg irgendwann auch fort. Sie fand niemanden, den sie kannte, sie ging aber auch nicht auf sein schwammiges Angebot ein. Stattdessen verließ sie das Festgelände.

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Veröffentlicht von

Iris

2013 entschied ich meine Heimat in Bayern zu verlassen, um in Sachsen-Anhalt zu studieren. Drei Jahre später zog es mich dort fort, nach Frankreich. Jetzt, einige Monate später, bin ich zurück in Deutschland und plane bereits meine zukünftigen Wohnorte. Ich liebe es zu schreiben. Kleine Geschichten, lange Romane. Meistens sind sie ausgedacht, nie so geschehen, nur Teil meiner Fantasie. Aber ich liebe es mit dem Gedanken des Was-Wäre-Wenn zu spielen. Da die Texte wahrscheinlich dann eh nur in den letzten Ecken meines PCs verschwinden würden, möchte ich sie hier veröffentlichen. Ich will ihnen einen Platz geben, wo sie sich präsentieren können und gelobt sowie kritisiert werden. Ich möchte mich als Schriftstellerin weiterentwickeln. Das geht nur mit ernsthafter Kritik. Begleitet mich auf meiner Reise zwischen Realität und Fantasie, zwischen Wahrheit und Fiktion.

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