Er mochte sich binden, nur nicht an sie

„Ein kluger Mensch sagte mir mal, wenn ein Typ mit einem Mädchen zusammen sein will, dann wird er dafür sorgen – egal, was geschieht“


„Ich könnte ja auf einen Kaffee vorbeikommen!“

„Ist es für Kaffee nicht schon etwas zu spät?“

Es war 16 Uhr. Dass der Kaffee nur ein Vorwand war, um sich einfach nur mit ihm zu treffen – Kaffee hin oder her – erkannte er in ihrer Nachricht nicht. Normalerweise verstand er ihre versteckten Botschaften – vor allem in ihrer Ironie – immer relativ gut. Heute tat er es ausnahmsweise nicht.

„Dann eben einen entkoffeinierten!“

„Den habe ich aber nicht hier!“


Sie rollte nur mit den Augen. Entweder er verstand sie vollkommen falsch, oder er mochte sie gar nicht verstehen, er mochte nicht, dass sie vorbeikam. Sie beließ es dabei. Sich ein drittes Mal  bei ihm einladen, ein drittes Mal versuchen, dass er ja sagte: das wollte sie nicht. Sie entschied, die Unterhaltung zu beenden. Ob er es nun absichtlich tat oder nicht: irgendetwas war es, was ihn dazu brachte, sie nicht zu sich einladen zu wollen.

Doch sie konnte es nicht vergessen, dass es vielleicht der Tatsache geschuldet war, dass seine Eltern im selben Haus wohnten. Wahrscheinlich wollte er es nicht riskieren, dass seine Eltern mitbekamen, er hätte weiblichen Besuch. Nicht der weibliche Besuch war das Problem, sondern dass sie sie wahrscheinlich dann hätte kennen lernen wollen. Dann würde es wahrscheinlich doch ernster zwischen ihnen werden. Für diesen Schritt war er aber anscheinend noch nicht bereit. Das akzeptierte sie. Würde sie denken, dass sie jemals spüren könnte, dass er sich doch irgendwann dazu bereit fühlen würde. Doch das tat sie nicht. Er lud sie nicht zu sich ein. Er wimmelte auch ab, zu ihr zu kommen. Bei früheren Treffen war sie sich bei ihm sicher gewesen, dass er sich eine engere Beziehung wünschen würde. Doch so sehr er ihr das auch versicherte, und sie ihm glauben wollte, sprach sein Verhalten andere Bände.

Dann fiel ihr es wie Schuppen von den Augen: Er mochte sich binden, er war bereit dazu, doch er wollte das nur nicht an sie. Er wollte nicht länger Single sein. Er war bereits, für eine ernstere Beziehung, doch je mehr sie darüber nachdachte, desto sicherer wurde es ihr. Er wollte das, aber eben nicht mit ihr…

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Wäre schön, wenn Diskussionen über den weiblichen Körper genauso vergänglich wären wie die passende Werbung dazu.

Gelangweilt zippe ich von Sender zu Sender. Es läuft nichts Interessantes im Fernseher. Mir fallen zwar fast die Auge zu, aber ins Bett möchte ich auch noch nicht. Es ist dafür viel zu früh. Irgendwann zippe ich nur noch von Werbung zu Werbung, von Werbung über Reiseseiten, hin zu Werbung über Sport, Werbung über irgendwelche Diätprodukte, Entgiftungstees, Entschlackungssäfte. Zwischendurch geht es um Versicherungen. Das geht aber unter, denn schon die nächste Werbung mit der Botschaft „Geb dein Bestes“ dröhnt mir in den Ohren, will mich motivieren, mein sowieso schon geringes Studentenbudget für eine Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio oder in Abnehm-Drinks zu investieren. Irgendwann habe ich die Schnauze voll und entscheide, den Fernseher auszumachen. Es ist nicht das Fernsehprogramm, was mich in diesem Moment nervt, sondern diese Sport- und Ernährungswerbung kurz nach dem Neujahr. Jedes Jahr aufs Neue. Weil es immer Menschen gibt, die sich als guten Jahresvorsatz vornehmen, mehr Sport zu machen und sich gesünder zu ernähren. Dafür wird gerne das neue Jahr genutzt, um Anfang des Jahres ordentlich in die Pedalen zu treten und zu hungern, um dann Wochen später zu merken, in denen man Haufen Geld rausgeschmissen hat, dass das so nicht funktioniert. Die sogenannten Wunderhelfer sind nur bloße Geldmacherei, sechsmal die Woche Sport machen, von 0 auf 100, klappt auch nicht. Man hat aber einen Jahresvertrag für das Fitnessstudio unterschrieben und überlesen, dass nur die ersten drei Monate 4,99€ kosten. Danach sind es 19.90€. 19.90€ dafür, dass man in den 52 Wochen im Jahr 6 Wochen durchhält. Danach geht man nicht mehr, zahlt aber. Rausgeschmissenes Geld also. Man könnte ja meinen, man würde dadurch lernen, es ein Jahr später besser zu machen. Man tut es aber nicht.


Eine Bekannte von mir macht jetzt zum neuen Jahr die gefühlt 700ste Diät. Immer hat sie gut abgenommem, immer einige Kilos runter. Tage oder manchmal auch wochenlang war sie mürrisch, weil sie hungrig war. Während ich mir einen Burger mit Pommes bestellte, nuckelte sie an ihrem Eistee. Der Zucker im Eistee ist schon in Ordnung. Ist ja nur Flüssigkeit. Sagt sie. Ihr zu sagen, dass in ihrem Denken, nichts zu essen, aber zuckersüß zu trinken, irgendetwas nicht stimmt, habe ich aufgegeben. Man könnte meinen, die letzten Jahre haben endlich alle aufrütteln lassen, dass das Hungern etwas schlechtes ist. Man sollte es meinen. Ist aber nicht so. Frauen tun vieles für ihren perfekten Körper.


Die „Body Positivity“-Bewegung hat da auch eine Veränderung mit sich gebracht. An sich ist das ja was Gutes. Klingt ja auch gut. Steh zu dir und deinen Rundungen. Liebe dich wie du bist. Wir sind alle nicht perfekt. Klingt alles gut. Aber es muss immer welche geben, die etwas so Gutem einen schlechten Beigeschmack geben müssen. Denn statt endlich davon abzukommen, über Körper zu urteilen, tut auch die „Body Positivity“-Bewegung nichts anderes. Sie urteilt über den Körper der Frau. Wieder. Das Thema darüber ist schon genug ausgelutscht, und doch sehe ich keine Veränderung im Denken. Plötzlich wird es in, stolz und ungehemmt sich halbnackt bei Social Media zu zeigen. Als es in war, gertenschlank zu sein, wollten alle gertenschlank sein. Als es in war, muskulös zu sein, wollten alle muskulös sein. Jetzt ist es in, Plussize zu sein, und viele wollen jetzt Plussize sein. Ich habe nichts gegen das Plussize, oder sagen wir, gegen normal gebaute Körper. Kleidungsgröße 40/42, ja auch 44. Alles normale Körper. Früher war das nichts Außergewöhnliches. Jetzt werden sie Plussize genannt. Plussize geht aber noch weiter. Weiter zu Menschen, deren Körpergewicht schon die Gesundheit gefährden, und trotzdem präsentieren sie sich halbbekleidet im Netz. Sie dürfen ja zu sich stehen. Dagegen habe ich nichts. Aber hier geht es nicht mehr nur um ein Schönheitsideal, hier geht es um die Gesundheit. Fettleibig sein, und dazu stehen, hat nichts mit „Body Positivity“ zu tun. Das ist krank, und es geht zu weit.


In meinem Umfeld geht es auch immer wieder über das Gewicht. Ich kommentiere meins auch. Auch jetzt noch. Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der Sport über alles ging. Über Freundschaften, über andere Hobbies. Ich liebte es, mich zu bewegen, viel zu bewegen, viel zu viel zu bewegen. Fünf-/Sechsmal die Woche Sport. Das Umdenken kam nach meinem Unfall. Man merkt, wie viel Zeit man doch plötzlich übrig hat. Wie viel Zeit, um soziale Kontakte wieder aufblühen zu lassen. Zeit, wieder mehr an andere zu denken, und nicht nur an sich. Bewegung ist gut, gesunde Ernährung ist gut, aber alles in Maßen. Ständig drüber nachdenken macht nicht glücklich. Überhaupt nicht daran zu denken, und sich zu denken, ich lebe ja nur einmal, aber auch nicht. Genauso wenig, darüber zu urteilen, über sich selbst oder andere. Wir sollten beginnen, wieder ein gesundes Maß zu finden, und vor allem anderen nichts vorschreiben, wie sie ihr Leben zu leben haben. Immer noch: solange es in einem gesunden Maß ist. 


Die Werbung über Sport und Nahrungsergänzungmittel wird im Laufe des Jahres weniger, wie jedes Jahr. Das ist sicher. Bald wird sie Werbung über den Valentingstag verdrängen. Nur noch knapp zwei Wochen muss ich solange aushalten. Machbar. Wäre nur schön, wenn Diskussionen über den weiblichen Körper genauso vergänglich wären wie die passende Werbung dazu.

Von kreativer Freiheit zum bodenständigen Familienleben

„Sag mal, was ist eigentlich aus Würzburg geworden? Wolltest du da nicht deinen Master machen?“

Wir haben uns ewig nicht mehr gesehen. Es ist sogar mehr als ein Jahr vergangen, in denen wir nicht mehr miteinander gesprochen haben. In dieser Zeit ist in meinem Leben viel passiert. Darüber geredet haben wir nie. Deswegen ist sie noch auf dem alten Stand. Ich erkläre ihr, was sich verändert hat. Ihre Augen weiten sich.

„Das hätte ich bei dir nie gedacht! Ist das nicht all das, was du damals immer vehement abgelehnt hast?“

Ich schmunzle und gebe ihr vollkommen recht. Schon seit meiner Kindheit wollte ich später irgendetwas Kreatives machen. Anfangs waren es noch so Kinderwünsche wie Modedesignerin. Während und kurz nach meiner Schulzeit änderte sich das in die Idee, Schriftstellerin und bis dahin Journalistin zu werden. Alles Berufe, die alles andere als 08/15 waren. Ich wollte irgendetwas aufregendes machen. Irgendetwas, mit dem ich andere beeindrucken konnte. Ich wollte ja auch keine 08/15-Journalistin werden. Ich wollte in irgendeiner großen Firma beschäftigt sein. Irgendetwas Vorzeigbares…

Außerdem wollte ich die Welt sehen. Ich wollte nicht an einem Ort wohnen bleiben. Ich wollte frei sein, unabhängig. Das war ich. Fünf Jahre lang. Ich bin ganz gut damit gefahren. Dann der Cut und das neue Denken. Woher das kam? Keine Ahnung. Plötzlich war es da. Irgendwie eine Spontanentscheidung. Ich brach das alte Studium ab (nicht gänzlich, aber ich brach mit dem Studienstanddort und mit dem Gedanken an den Bachelor ab), zog wieder nach Hause in die Heimat, begann bzw. wechselte zum Lehramt. Gleiche Fächer, neues (altes) Ziel. Nun also doch 08/15 Leben. Gutes 08/15 Leben.


„Kann es sein, dass du auch ganz schön von ihm beeinflusst wurdest?“

Ich zucke mit den Schultern. Beeinflusst? Ja. Wegen ihm die Entscheidung gefällt? Nein. Die stand schon vorher. Sogar schon 2 Jahre vorher. Aber er gab mir dann doch einen neuen Impuls, das ganze durchzuziehen. Er machte das 08/15-Leben wundervoll attraktiv. Sogar soweit, dass ich nicht mehr den Wunsch hegte, in einer aufregenden Großstadt leben, die Nächte durchtanzen und mit der Familienplanung warten zu wollen, sehr lange warten zu wollen. Damals ging Karriere für mich über alles. Kinder waren geplant, aber dann bitte erst Mitte 30, wenn ich beruflich meinen Höhepunkt erreicht hätte. Dann änderte sich alles. Statt wie immer die Flucht ergreifen zu wollen, blieb ich, wollte ich bleiben. Es lag nicht nur an ihm, doch er machte einen Teil aus.


Ob ich meine kreativen Träume über Bord geworfen habe? Nein. Kreativ bin ich weiterhin mit meinen Geschichten. Damit Geldverdienen? Lieber nicht. Ich will einen sicheren Job, vorhersehbare Arbeitszeiten. Ich möchte Familie und Karriere unter einen Hut bekommen. Karriere steht nicht mehr ganz alleine ganz oben. Studium beenden? Das natürlich schon. Danach ist alles offen. Gehe ich erst den beruflichen Weg, gehe ich erst in Richtung Familie? Alles ist jetzt möglich. Beide Wege gefallen mir. Ob ich nun den einen oder den anderen nehme: das ist offen.

Was man über die Franzosen wissen sollte


Öffentliche Liebesbekundungen, überall, ständig


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Ich sitze auf diesem Stuhl, bin wieder einmal viel zu früh für den Kurs. Fast eine ganze Stunde zu früh. Konnte ich ja nicht wissen, dass ich mit meiner Arbeit so schnell fertig sein werde. Ich hatte mehr Zeit eingeplant. Ich bemerke, dass es sich hinter mir ein Pärchen gemütlich gemacht hat. Erst bemerke ich sie nicht. Dann beginnt es aber. Das, was in Frankreich normal und im Gegensatz zu Deutschland sogar ziemlich leidenschaftlich demonstriert wird: Das Pärchen beginnt sich zu küssen. Würde nicht stören, wenn ihr Geschmatze nicht so laut ist, dass es auch wirklich jeder hier mitbekommt. Irgendwann ist es mir sogar zu wild, dass ich aufstehe und gehe. Ich bin nicht verbohrt, aber ich bin so etwas aus Deutschland nicht gewöhnt. Liebesbekundungen ja. Find ich auch schön, wenn sie zeigen, wie gern sie sich haben. Doch dass sie sich fast gegenseitig verschlingen, immer und überall…


Das Baguette


Es mag wie ein schlechtes Klischee klingen: Der Franzose, mit der Baskenmütze, dem Wein in der einen, das Baguette in der anderen Hand. Doch von irgendwo haben diese Klischee auch ihren Ursprung. Im Sinne des Baguettes stimmt dieses Klischee auch. Morgens, sieben Uhr. Ich gehe in die Universität, während mir mehrere Franzosen mit Baguette unter dem Arm entgegen kommen. Mittags gibt es sie dann belegt beim Bäcker, abends mit Käse und Wein. Nicht immer, aber sehr häufig. Baguette ist einfach das Brot in Frankreich. Alternativen dazu gibt es aber auch fast gar nicht. Das deutsche schwarze Brot sucht man vergeblich. Es muss aber auch gesagt werden, dass Franzosen es auch verstehen, Baguette zu backen. Überhaupt nicht vergleichbar mit dem Stück Pappe, dass man in Deutschland bekommt. Baguette hin oder her. Es schmeckt auch richtig gut.


Merci, Pardon, Au revoir


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Die Franzosen sind ein unglaublich höfliches Völkchen. Ich glaube, das war das erste, was mir in dem Land aufgefallen ist, und mir gefiel. Zurück in Deutschland fiel mir dann auf, wie mürrisch wir im Gegensatz dazu doch sind. Morgens im Wohnheim. Unbekannte Menschen stehen gemeinsam am Aufzug, begrüßen sich, wenn man aufeinander trifft, grüßt die Menschen, die bereits im Aufzug stehen, man wünscht sich einen schönen Tag – bonne journée-, sobald man diesen wieder verlässt. Dasselbe Spiel am Abend. Dieses Mal wünscht man sich einen schönen Abend – Bonne soirée. Steht man sich im Supermarkt im Weg, oder rennt sich fast bei einer Ecke über den Haufen, entschuldigen sich beide Parteien. Man entschuldigt sich auch, wenn es die Schuld des anderen war. Das macht man einfach so. Man bedankt sich aber auch sehr oft. Einfach so. Ein Merci ist schnell gesagt. In Frankreich alles ganz normal und schön. Mag am Anfang etwas merkwürdig erscheinen, aber man gewöhnt sich daran. Zurück in Deutschland habe ich die ersten Tage dasselbe gemacht. Hier wurde ich aber nur merkwürdig angesehen. Ob es an dem Verhalten lag, oder der Tatsache geschuldet ist, dass es auf Französisch war, bleibt einfach mal unbemerkt.


Das Essen


Essen benötigt einen eigenen Punkt. Genauso wie er ihn im Leben der Franzosen hat. Franzosen und das Essen. Als Außenstehender ist das eine sehr spannend zu betrachtende Beziehung. Bewundernswert ist, dass die meisten Franzosen sehr schlank sind. Und das möchte ich nicht auf ihre gesunde Ernährung schieben. Denn die muss nicht so sein, wie viele Ratgeber doch behaupten. Doch darüber werde ich einen anderen Beitrag schreiben. Auf alle Fälle ist den Franzosen das Essen heilig. Am Wochenende, und vor allem morgens und abends, wird sich dafür sehr viel Zeit genommen. Das kann sich dann auch über Stunden handeln, in denen gegessen wird. An Feiertagen wird es dann noch ausgiebiger. Ich verbrachte die Ostertage bei einer bretonischen Familie in Rennes. Drei Tage, in denen ich soviel essen zu mir genommen habe, dass ich eine Woche lang nichts mehr zu essen sehen wollte. Vor allem den Ostersonntag werde ich niemals vergessen. Vier Stunden morgens brunchen, zwei Stunden später Crêpe-Essen, abends ein fünfgängiges Abendessen. Um 23 Uhr wurden dann noch Familienspiele gespielt. Eigentlich wollte ich nur noch ins Bett. Tat ich auch. Um 1 Uhr.

Es war ihr Zuhause, er war ihr Zuhause.

„Kommst du?“


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Er streckte ihr seine Hand entgegen. Sie starrte ihn nur an. Sie zuckte, hielt den Impuls aber zurück. Er war zu schwach, um sie überwältigen zu können. Sie wollte nicht gleich einen Schritt auf ihn zu machen. Sie zögerte.

„Wohin?“

„Nach Hause!“

Ihr Blick schweifte zu seiner Hand. Sie hätte sie gerne ergriffen, wäre ihm gefolgt. Wahrscheinlich würde sie mit ihm ans Ende der Welt flüchten. Nur er und sie. Sie beide. In seiner Gegenwart verlor sie jeden Hauch an Zweifel. In seinen Armen fühlte sie sich so wohl, als könne ihr niemand mehr etwas anhaben. Er fühlte sich an wie ihr Fels in der Brandung. Es fühlte sich so gut an, bei ihm zu sein. Einen weiteren Impuls unterdrückte sie. Sie zögerte wieder zu ihm zu gehen.

„Nach Hause!“ Sie sprach mehr mit sich selbst als mit ihm.

„Komm mit mir!“

Sie schaute wieder in seine Augen, seine blauen Augen. Oh, sie waren so schön. Oh, er war doch so schön. Er zog sie so sehr an. So sehr, dass sie fast die Kontrolle über sich selbst verlor. Sie konnte ihm nicht widerstehen. Wollte sie das?

„Wir beide? Zusammen? Denkst du, dass du das wirklich willst?“

Er senkte seine Hand nun. In seinem Gesicht veränderte sich der Ausdruck. Er wurde nachdenklich. Sie hatte da etwas angesprochen, was ihn anscheinend doch zum Nachdenken brachte. Kurz kehrte Stille zwischen ihnen ein. Stille, in denen er offensichtlich über ihre Frage nachdachte.

„Ich habe oft genug den Fehler im Leben gemacht!“

„Kannst du dir sicher sein, dass du ihn nicht wieder machst?“

Wieder kehrte Stille ein. Er wusste, dass er es nicht garantieren konnte. Er wusste es. Trotzdem wollte sie ihm glauben. Viele Jahre waren vergangen, in denen er über den Fehler nachdenken konnte. Viele Jahre, um an den Punkt zu gelangen, in denen er alles dafür tat, um den Fehler nie wieder zu wiederholen. Trotzdem blieb der Hauch von Zweifel bei ihr. Sie war ein Leben lang davon gerannt. Sie war ein Leben lang auf der Suche nach ihrem Zuhause gewesen. Nun stand sie kurz davor, es gefunden zu haben. Es schien, als wäre das ihr Zuhause, als wäre er es. Jetzt schüttelte er seinen Kopf.

„Doch du gehörst zu mir! Da ist dein Zuhause! Da gehörst du hin!“

„Bist du dir damit sicher?“

Jetzt nickte er, aufrichtig, entschlossen. Einen weiteren Impuls der sie zu ihm drängen wollte, unterdrückte sie noch. Sie wollte. Sie wollte so sehr. Trotzdem zögerte sie noch einmal, blickte ihn an. Er streckte ihr wieder seine Hand entgegen. Sie blickte zu ihr. Dann gab sie auf. Sie löste sich von dem Widerstand gegen die Impulse…denn sie glaubte ihm. Sie glaubte ihm, dass er ihr Zuhause sein könne. Sie glaubte ihm, dass sie bei ihm endlich den Platz fände, an den sie gehörte. So legte sie ihre Hand in seine. Er zog sie an sich. Sie fiel in seine Arme. Er hielt sie ganz fest. Sie drückte sich fest an ihn. Ja, das fühlte sich gut an, das fühlte sich wie zuhause an. Es war ihr Zuhause, er war ihr Zuhause.