Es war ihr Zuhause, er war ihr Zuhause.

„Kommst du?“


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Er streckte ihr seine Hand entgegen. Sie starrte ihn nur an. Sie zuckte, hielt den Impuls aber zurück. Er war zu schwach, um sie überwältigen zu können. Sie wollte nicht gleich einen Schritt auf ihn zu machen. Sie zögerte.

„Wohin?“

„Nach Hause!“

Ihr Blick schweifte zu seiner Hand. Sie hätte sie gerne ergriffen, wäre ihm gefolgt. Wahrscheinlich würde sie mit ihm ans Ende der Welt flüchten. Nur er und sie. Sie beide. In seiner Gegenwart verlor sie jeden Hauch an Zweifel. In seinen Armen fühlte sie sich so wohl, als könne ihr niemand mehr etwas anhaben. Er fühlte sich an wie ihr Fels in der Brandung. Es fühlte sich so gut an, bei ihm zu sein. Einen weiteren Impuls unterdrückte sie. Sie zögerte wieder zu ihm zu gehen.

„Nach Hause!“ Sie sprach mehr mit sich selbst als mit ihm.

„Komm mit mir!“

Sie schaute wieder in seine Augen, seine blauen Augen. Oh, sie waren so schön. Oh, er war doch so schön. Er zog sie so sehr an. So sehr, dass sie fast die Kontrolle über sich selbst verlor. Sie konnte ihm nicht widerstehen. Wollte sie das?

„Wir beide? Zusammen? Denkst du, dass du das wirklich willst?“

Er senkte seine Hand nun. In seinem Gesicht veränderte sich der Ausdruck. Er wurde nachdenklich. Sie hatte da etwas angesprochen, was ihn anscheinend doch zum Nachdenken brachte. Kurz kehrte Stille zwischen ihnen ein. Stille, in denen er offensichtlich über ihre Frage nachdachte.

„Ich habe oft genug den Fehler im Leben gemacht!“

„Kannst du dir sicher sein, dass du ihn nicht wieder machst?“

Wieder kehrte Stille ein. Er wusste, dass er es nicht garantieren konnte. Er wusste es. Trotzdem wollte sie ihm glauben. Viele Jahre waren vergangen, in denen er über den Fehler nachdenken konnte. Viele Jahre, um an den Punkt zu gelangen, in denen er alles dafür tat, um den Fehler nie wieder zu wiederholen. Trotzdem blieb der Hauch von Zweifel bei ihr. Sie war ein Leben lang davon gerannt. Sie war ein Leben lang auf der Suche nach ihrem Zuhause gewesen. Nun stand sie kurz davor, es gefunden zu haben. Es schien, als wäre das ihr Zuhause, als wäre er es. Jetzt schüttelte er seinen Kopf.

„Doch du gehörst zu mir! Da ist dein Zuhause! Da gehörst du hin!“

„Bist du dir damit sicher?“

Jetzt nickte er, aufrichtig, entschlossen. Einen weiteren Impuls der sie zu ihm drängen wollte, unterdrückte sie noch. Sie wollte. Sie wollte so sehr. Trotzdem zögerte sie noch einmal, blickte ihn an. Er streckte ihr wieder seine Hand entgegen. Sie blickte zu ihr. Dann gab sie auf. Sie löste sich von dem Widerstand gegen die Impulse…denn sie glaubte ihm. Sie glaubte ihm, dass er ihr Zuhause sein könne. Sie glaubte ihm, dass sie bei ihm endlich den Platz fände, an den sie gehörte. So legte sie ihre Hand in seine. Er zog sie an sich. Sie fiel in seine Arme. Er hielt sie ganz fest. Sie drückte sich fest an ihn. Ja, das fühlte sich gut an, das fühlte sich wie zuhause an. Es war ihr Zuhause, er war ihr Zuhause.

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Veröffentlicht von

Iris

2013 entschied ich meine Heimat in Bayern zu verlassen, um in Sachsen-Anhalt zu studieren. Drei Jahre später zog es mich dort fort, nach Frankreich. Jetzt, einige Monate später, bin ich zurück in Deutschland und plane bereits meine zukünftigen Wohnorte. Ich liebe es zu schreiben. Kleine Geschichten, lange Romane. Meistens sind sie ausgedacht, nie so geschehen, nur Teil meiner Fantasie. Aber ich liebe es mit dem Gedanken des Was-Wäre-Wenn zu spielen. Da die Texte wahrscheinlich dann eh nur in den letzten Ecken meines PCs verschwinden würden, möchte ich sie hier veröffentlichen. Ich will ihnen einen Platz geben, wo sie sich präsentieren können und gelobt sowie kritisiert werden. Ich möchte mich als Schriftstellerin weiterentwickeln. Das geht nur mit ernsthafter Kritik. Begleitet mich auf meiner Reise zwischen Realität und Fantasie, zwischen Wahrheit und Fiktion.

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