Was man über die Franzosen wissen sollte


Öffentliche Liebesbekundungen, überall, ständig


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Ich sitze auf diesem Stuhl, bin wieder einmal viel zu früh für den Kurs. Fast eine ganze Stunde zu früh. Konnte ich ja nicht wissen, dass ich mit meiner Arbeit so schnell fertig sein werde. Ich hatte mehr Zeit eingeplant. Ich bemerke, dass es sich hinter mir ein Pärchen gemütlich gemacht hat. Erst bemerke ich sie nicht. Dann beginnt es aber. Das, was in Frankreich normal und im Gegensatz zu Deutschland sogar ziemlich leidenschaftlich demonstriert wird: Das Pärchen beginnt sich zu küssen. Würde nicht stören, wenn ihr Geschmatze nicht so laut ist, dass es auch wirklich jeder hier mitbekommt. Irgendwann ist es mir sogar zu wild, dass ich aufstehe und gehe. Ich bin nicht verbohrt, aber ich bin so etwas aus Deutschland nicht gewöhnt. Liebesbekundungen ja. Find ich auch schön, wenn sie zeigen, wie gern sie sich haben. Doch dass sie sich fast gegenseitig verschlingen, immer und überall…


Das Baguette


Es mag wie ein schlechtes Klischee klingen: Der Franzose, mit der Baskenmütze, dem Wein in der einen, das Baguette in der anderen Hand. Doch von irgendwo haben diese Klischee auch ihren Ursprung. Im Sinne des Baguettes stimmt dieses Klischee auch. Morgens, sieben Uhr. Ich gehe in die Universität, während mir mehrere Franzosen mit Baguette unter dem Arm entgegen kommen. Mittags gibt es sie dann belegt beim Bäcker, abends mit Käse und Wein. Nicht immer, aber sehr häufig. Baguette ist einfach das Brot in Frankreich. Alternativen dazu gibt es aber auch fast gar nicht. Das deutsche schwarze Brot sucht man vergeblich. Es muss aber auch gesagt werden, dass Franzosen es auch verstehen, Baguette zu backen. Überhaupt nicht vergleichbar mit dem Stück Pappe, dass man in Deutschland bekommt. Baguette hin oder her. Es schmeckt auch richtig gut.


Merci, Pardon, Au revoir


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Die Franzosen sind ein unglaublich höfliches Völkchen. Ich glaube, das war das erste, was mir in dem Land aufgefallen ist, und mir gefiel. Zurück in Deutschland fiel mir dann auf, wie mürrisch wir im Gegensatz dazu doch sind. Morgens im Wohnheim. Unbekannte Menschen stehen gemeinsam am Aufzug, begrüßen sich, wenn man aufeinander trifft, grüßt die Menschen, die bereits im Aufzug stehen, man wünscht sich einen schönen Tag – bonne journée-, sobald man diesen wieder verlässt. Dasselbe Spiel am Abend. Dieses Mal wünscht man sich einen schönen Abend – Bonne soirée. Steht man sich im Supermarkt im Weg, oder rennt sich fast bei einer Ecke über den Haufen, entschuldigen sich beide Parteien. Man entschuldigt sich auch, wenn es die Schuld des anderen war. Das macht man einfach so. Man bedankt sich aber auch sehr oft. Einfach so. Ein Merci ist schnell gesagt. In Frankreich alles ganz normal und schön. Mag am Anfang etwas merkwürdig erscheinen, aber man gewöhnt sich daran. Zurück in Deutschland habe ich die ersten Tage dasselbe gemacht. Hier wurde ich aber nur merkwürdig angesehen. Ob es an dem Verhalten lag, oder der Tatsache geschuldet ist, dass es auf Französisch war, bleibt einfach mal unbemerkt.


Das Essen


Essen benötigt einen eigenen Punkt. Genauso wie er ihn im Leben der Franzosen hat. Franzosen und das Essen. Als Außenstehender ist das eine sehr spannend zu betrachtende Beziehung. Bewundernswert ist, dass die meisten Franzosen sehr schlank sind. Und das möchte ich nicht auf ihre gesunde Ernährung schieben. Denn die muss nicht so sein, wie viele Ratgeber doch behaupten. Doch darüber werde ich einen anderen Beitrag schreiben. Auf alle Fälle ist den Franzosen das Essen heilig. Am Wochenende, und vor allem morgens und abends, wird sich dafür sehr viel Zeit genommen. Das kann sich dann auch über Stunden handeln, in denen gegessen wird. An Feiertagen wird es dann noch ausgiebiger. Ich verbrachte die Ostertage bei einer bretonischen Familie in Rennes. Drei Tage, in denen ich soviel essen zu mir genommen habe, dass ich eine Woche lang nichts mehr zu essen sehen wollte. Vor allem den Ostersonntag werde ich niemals vergessen. Vier Stunden morgens brunchen, zwei Stunden später Crêpe-Essen, abends ein fünfgängiges Abendessen. Um 23 Uhr wurden dann noch Familienspiele gespielt. Eigentlich wollte ich nur noch ins Bett. Tat ich auch. Um 1 Uhr.

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Veröffentlicht von

Iris

2013 entschied ich meine Heimat in Bayern zu verlassen, um in Sachsen-Anhalt zu studieren. Drei Jahre später zog es mich dort fort, nach Frankreich. Jetzt, einige Monate später, bin ich zurück in Deutschland und plane bereits meine zukünftigen Wohnorte. Ich liebe es zu schreiben. Kleine Geschichten, lange Romane. Meistens sind sie ausgedacht, nie so geschehen, nur Teil meiner Fantasie. Aber ich liebe es mit dem Gedanken des Was-Wäre-Wenn zu spielen. Da die Texte wahrscheinlich dann eh nur in den letzten Ecken meines PCs verschwinden würden, möchte ich sie hier veröffentlichen. Ich will ihnen einen Platz geben, wo sie sich präsentieren können und gelobt sowie kritisiert werden. Ich möchte mich als Schriftstellerin weiterentwickeln. Das geht nur mit ernsthafter Kritik. Begleitet mich auf meiner Reise zwischen Realität und Fantasie, zwischen Wahrheit und Fiktion.

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