Von kreativer Freiheit zum bodenständigen Familienleben

„Sag mal, was ist eigentlich aus Würzburg geworden? Wolltest du da nicht deinen Master machen?“

Wir haben uns ewig nicht mehr gesehen. Es ist sogar mehr als ein Jahr vergangen, in denen wir nicht mehr miteinander gesprochen haben. In dieser Zeit ist in meinem Leben viel passiert. Darüber geredet haben wir nie. Deswegen ist sie noch auf dem alten Stand. Ich erkläre ihr, was sich verändert hat. Ihre Augen weiten sich.

„Das hätte ich bei dir nie gedacht! Ist das nicht all das, was du damals immer vehement abgelehnt hast?“

Ich schmunzle und gebe ihr vollkommen recht. Schon seit meiner Kindheit wollte ich später irgendetwas Kreatives machen. Anfangs waren es noch so Kinderwünsche wie Modedesignerin. Während und kurz nach meiner Schulzeit änderte sich das in die Idee, Schriftstellerin und bis dahin Journalistin zu werden. Alles Berufe, die alles andere als 08/15 waren. Ich wollte irgendetwas aufregendes machen. Irgendetwas, mit dem ich andere beeindrucken konnte. Ich wollte ja auch keine 08/15-Journalistin werden. Ich wollte in irgendeiner großen Firma beschäftigt sein. Irgendetwas Vorzeigbares…

Außerdem wollte ich die Welt sehen. Ich wollte nicht an einem Ort wohnen bleiben. Ich wollte frei sein, unabhängig. Das war ich. Fünf Jahre lang. Ich bin ganz gut damit gefahren. Dann der Cut und das neue Denken. Woher das kam? Keine Ahnung. Plötzlich war es da. Irgendwie eine Spontanentscheidung. Ich brach das alte Studium ab (nicht gänzlich, aber ich brach mit dem Studienstanddort und mit dem Gedanken an den Bachelor ab), zog wieder nach Hause in die Heimat, begann bzw. wechselte zum Lehramt. Gleiche Fächer, neues (altes) Ziel. Nun also doch 08/15 Leben. Gutes 08/15 Leben.


„Kann es sein, dass du auch ganz schön von ihm beeinflusst wurdest?“

Ich zucke mit den Schultern. Beeinflusst? Ja. Wegen ihm die Entscheidung gefällt? Nein. Die stand schon vorher. Sogar schon 2 Jahre vorher. Aber er gab mir dann doch einen neuen Impuls, das ganze durchzuziehen. Er machte das 08/15-Leben wundervoll attraktiv. Sogar soweit, dass ich nicht mehr den Wunsch hegte, in einer aufregenden Großstadt leben, die Nächte durchtanzen und mit der Familienplanung warten zu wollen, sehr lange warten zu wollen. Damals ging Karriere für mich über alles. Kinder waren geplant, aber dann bitte erst Mitte 30, wenn ich beruflich meinen Höhepunkt erreicht hätte. Dann änderte sich alles. Statt wie immer die Flucht ergreifen zu wollen, blieb ich, wollte ich bleiben. Es lag nicht nur an ihm, doch er machte einen Teil aus.


Ob ich meine kreativen Träume über Bord geworfen habe? Nein. Kreativ bin ich weiterhin mit meinen Geschichten. Damit Geldverdienen? Lieber nicht. Ich will einen sicheren Job, vorhersehbare Arbeitszeiten. Ich möchte Familie und Karriere unter einen Hut bekommen. Karriere steht nicht mehr ganz alleine ganz oben. Studium beenden? Das natürlich schon. Danach ist alles offen. Gehe ich erst den beruflichen Weg, gehe ich erst in Richtung Familie? Alles ist jetzt möglich. Beide Wege gefallen mir. Ob ich nun den einen oder den anderen nehme: das ist offen.

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Veröffentlicht von

Iris

2013 entschied ich meine Heimat in Bayern zu verlassen, um in Sachsen-Anhalt zu studieren. Drei Jahre später zog es mich dort fort, nach Frankreich. Jetzt, einige Monate später, bin ich zurück in Deutschland und plane bereits meine zukünftigen Wohnorte. Ich liebe es zu schreiben. Kleine Geschichten, lange Romane. Meistens sind sie ausgedacht, nie so geschehen, nur Teil meiner Fantasie. Aber ich liebe es mit dem Gedanken des Was-Wäre-Wenn zu spielen. Da die Texte wahrscheinlich dann eh nur in den letzten Ecken meines PCs verschwinden würden, möchte ich sie hier veröffentlichen. Ich will ihnen einen Platz geben, wo sie sich präsentieren können und gelobt sowie kritisiert werden. Ich möchte mich als Schriftstellerin weiterentwickeln. Das geht nur mit ernsthafter Kritik. Begleitet mich auf meiner Reise zwischen Realität und Fantasie, zwischen Wahrheit und Fiktion.

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