Was man über die französische Essweise bei Studenten wissen sollte

Es ist kein Geheimnis, dass Franzosen deutlich schlanker als die Deutschen sind. Das ist nicht nur ein Gerücht oder statistisch belegt, sondern ich sehe das auch aus eigener Erfahrung. Viele liegen im Normalbereich, erschreckender finde ich es aber, dass viele auch deutlich untergewichtig sein, mehr als bei uns.

Ich habe bereits einige Bücher und Artikel über das Essverhalten der Franzosen gelesen, in dem erklärt werden soll, was das Geheimnis der Damen ist. Auch wenn einiges davon wohl stimmen mag, sehe ich manches doch etwas anders. Eins vorweg: ich gehe davon aus, was ich mitbekommen habe und stütze mich darauf. Kann sein, dass Statistiken etwas anderes sagen.


Franzosen frühstücken nicht


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In einem Artikel las ich, dass die Franzosen ja so gesund frühstücken: ein bisschen Haferflocken, ein bisschen Griechischer Joghurt, Honig und Leinöl. Klingt ja wirklich gut, aber ehrlicherweise: Franzosen frühstücken nicht. Ich habe noch keine einzige getroffen, die morgens irgendwas zu sich nahm. Stattdessen folgt erst in der obligatorischen Mittagspause von 12.30-14Uhr die erste große Mahlzeit. An manchen Tagen, wenn früh’s dann doch der Magen knurrt, gibt’s das alte Baguette vom Vortag, das in den Kaffee getunkt wird. Das sollte reichen. Wenn der Hunger am Vormittag zu groß wird, schnappen sie sich was aus dem Süßigkeitenautomaten. Oder sie rauchen eine. Das soll anscheinend auch helfen. Franzosen sind keine Frühstücksmenschen. Außer am Sonntag. Da wird dann lang und breit gebruncht.


Am Mittagessen gibt’s Fast Food


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In Frankreich ist die Pause um Mittag herum obligatorisch. Um die Uhrzeit machen selbst manche Geschäfte zu. Supermärkte natürlich nicht. Irgendwo muss man ja das Essen herbekommen, wenn nicht beim nächstgelegenen Bäcker, bei dem es belegtes Baguette gibt. Nicht unweit der Universität sind einige Imbissläden, bei dem es alles gibt, was das ungesunde Herz sich wünscht: Pizza, Döner, Pommes. Das beliebteste bei den Studenten ist Baguette gefüllt mit Pommes. Wer denkt, dass es wenigstens Mittags irgendwie etwas gesünder wird, der täuscht sich. Alternativ zu den sehr beliebten Pommes gibt es im Automaten auch Sandwichs oder eben die obligatorischen Süßigkeiten. Um die nächsten Stunden zu überstehen, wird dazu Kaffee aus dem Automaten getrunken. Das Zeug hat mehr Zucker als Koffein, und trotzdem wird es literweise getrunken. Zwar lässt sich der Zuckergehalt der Getränke regeln, wenn ich aber immer wieder zum Automaten gehe, ist der immer aufs oberste eingestellt. Jedes Mal ist das so. Deswegen geh ich davon aus, dass viele es pappsüß bevorzugen.


Am Abendessen wird es festlich – jedes Mal


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Die Hauptmahlzeiten der Franzosen ist das Abendessen, denn um ungefähr 20h/21h sind alle Familienmitglieder zuhause. Das erste und einzige Essen mit der ganzen Familie. Deswegen wird hier auch ordentlich aufgetischt, und vor allem frisch und gesund gekocht. Richtige Hausmannskost. Dann bleibt es aber nicht nur bei einer Mahlzeit, wie es wir Deutschen bevorzugen. Erst gibt es Vorspeise, Hauptspeise, Zwischenspeise, Käse, Dessert. Nicht jeden Abend, aber wenn es dann doch mal etwas größer sein soll, dass kommt man an fünf Gängen mindestens nicht vorbei. Ich hatte das einmal, ganze vier Stunden. Als Gast wurde mir dann immer noch zusätzlich was aufgedrückt, mit großen, erwartungsvollen Augen. Wie sollte ich da nur ’non‘ sagen können? Nach dem Essen wäre dann eigentlich Zeit, um sich getrost ins Bett zu legen und den vollen Magen zu verdauen. So obligatorisch wie das Abendessen sind aber auch die Familienspiele danach. Denn, man möchte schließlich die Zeit zusammen genießen. Familie ist den Franzosen heilig. Das Abendessen erklärt wahrscheinlich am Besten, warum Franzosen am nächsten Morgen nicht frühstücken wollen oder auch können. Der Magen ist vom letzten Abend noch viel zu voll.


Nun, was mag wohl nun das Geheimnis der schlanken Figürchen der Franzosen sein? Die Antwort ist ganz simple. Das Frühstück fällt meistens komplett weg, das Mittagessen fällt ebenfalls nicht besonders groß aus. Meistens genügt eine kleine Portion Pommes, und am Abend gibt es zwar viele Gänge, aber durch den Salat am Anfang ist der Bauch angenehm gesättigt, sodass von den anderen Gängen immer nur ein bisschen genommen wird. Da die Studenten in ihrem Leben nie andere Essensverhalten gewöhnt waren, reicht ihnen dieser Umfang an Essen. Ich kann mich da nur schwer einordnen. Ich brauch mein Frühstück und Abends bekomme ich kaum etwas runter.

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Was man über andere internationale Studenten wissen sollte


Die Briten, Schotten, Iren, Nordiren und Waliser


England

Sich in die Gruppe der Briten zu gesellen, war eine sehr schwierige Angelegenheit. Sie blieben wirklich lieber für sich selbst, als Kontakte mit Nonanglophonen zu knüpfen. Daher sprachen sie ausschließlich Englisch. Da kam ich auch das erste Mal in Berührung mit den vielen Dialekten vom United Kingdom. Nicht alle verstand ich, doch bei ihnen ist mir etwas deutlich aufgefallen: die vielen Variationen und das Ausmaß des Wortes „F***“. Meistens in keinem negativen Sinn. Zu Beginn meines Studiums in Frankreichs saß ich in einer Veranstaltung, deren Sinn sich mir auch jetzt noch nicht wirklich erklärt. Das sah der Engländer neben mir genauso und regte sich neben mir so leise mit englischen Ausdrücken auf, dass ich mir das Lachen nicht verkneifen konnte.

Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, mit den Briten über den Brexit zu reden. Als ich nach Toulouse kam, war die Brexit-Entscheidung erst zwei Monate her gewesen. Die Meinung dazu war bei allen Nordiren, Iren, Schotten, Engländer und Waliser die gleiche: der Brexit ist scheiße. Niemand von ihnen befürwortet den Brexit, Monatelang haben sie versucht, noch irgendwie zu hoffen, dass es doch noch eine Möglichkeit gäbe, in der EU bleiben zu können. Irgendwann verschwand das Hoffen im Laufe der Zeit, und am Ende stand da nur noch Wut. Wut auf ihre Regierung, Wut auf die Bürger, die für den Brexit gestimmt haben, und vor allem Verzweiflung.


Die Isländer


Island

Ich habe in meinem Leben noch nie jemand kennen gelernt, der aus Island stammt. Erinnert ihr euch noch an die Zeit während der EM: die Isländer haben uns allen das Herz geraubt, mit ihrem Charme, ihrer Authentizität, und der lustigen Tatsache, dass ihre Nachnamen alle mit -son enden.  Den einzigen Isländer, dessen Namen ebenfalls mit -son aufhört, lernte ich erst im zweiten Semester durch verschiedene Kurse näher kennen. Es kann seinem Charakter geschuldet sein, und weil er der einzige war, hatte ich keinen Vergleich, aber er ist eine unglaublich entspannte Persönlichkeit. Hektik kennt er nicht, Stress auch nicht. Genau so stell ich mir auch die Isländer vor.


Die Finnen


Finnland

Ich habe noch nie jemand aus Finnland kennen gelernt. Hier waren es auf einmal sechs, zu denen ich schon beim ersten Wort einen guten Draht hatte. Ich bin keine besonders offene Person, aber mit den Finninnen kam ich sofort in ein Gespräch und durch den schrägen Humor wurden sie mir noch sympathischer. Sarkasmus und Ironie verbindet eben auch über die Muttersprache hinweg. In Sprachen sind Finninnen fast unschlagbar. Englisch und Französisch sprechen sie nämlich perfekt. Die Finninnen, die ich kennen gelernt habe, wussten alle, wie man feiern gehen und wie man Spaß haben kann. Sie reisten auch verdammt gerne. Bei ihnen musste am Wochenende immer etwas los sein.


Die Australier


Australien

Auf die Australier stieß ich durch Zufall: er sprach Englisch, hatte aber weder einen amerikanischen, noch britischen Akzent. Auf den Gedanken, dass er aus Australien stammen könnte, kam ich in dem Moment nicht. Verdammt, das war echt peinlich. Auf einer Geburtstagsfeier lernte ich dann die Australierin kennen. Durch ihre offene und herzliche Art erzählte ich nur paar Minuten später mein halbes Leben. Ich hatte mit beiden, im Gegensatz zu den Briten, sofort ein gutes Verhältnis. Sie sind offen, lustig und eindeutig leicht verrückt. Natürlich waren die Australier daran interessiert, in Europa zu reisen. Schließlich ist Australien nicht gleich um die Ecke. Dasselbe Interesse für die Kultur anderer Länder galt auch den Menschen. Sie sind für alle Nationalitäten offen und interessieren sich sehr für die europäische Kultur. Genauso sieht das mit Sprachen aus. Wenige Einwohner in Australien sprechen eine andere Sprache als Englisch. Warum auch. Die nächsten Länder anderer Sprache liegen viel zu weit entfernt.


Die Belgier und Niederländer


Niederlande

Die Belgier und Niederländer nenne ich liebevoll die neutrale Schweiz unter den Erasmus-Studenten, denn alle, die ich kennen gelernt habe, sind die wohl freundlichsten Menschen von allen. Sie verstehen sich tatsächlich mit jedem gut, sind immer willkommen bei Feiern und sind manchmal echt lustig drauf. Das Spannende: Französisch, Englisch, Niederländisch und Deutsch sprechen sie perfekt, manchmal auch kurze Zeit hintereinander, immer mit der perfekten Grammatik. Wenn jemand sprachbegabt ist, dann sie.


Die Deutschen


Deutschland

Wenn man in Deutschland lebt, macht man sich nie Gedanken darüber, wie wir Deutschen eigentlich sind. Erst durch andere Nationalitäten nahm ich die deutschen Tugenden wahr: Struktur, Ordnung, Pünktlichkeit, Genauigkeit. Es ist nicht selten, dass ich den Satz „Ach, die Deutschen“ höre. Selbst diejenigen, die denken, nicht typisch deutsch  sind, sind es. Vor allem wenn es um Pünktlichkeit geht. Wenn der Termin um 10.30 ist, müssen wir genau um 10.30 erscheinen. 10.40 ist zu spät. Bei anderen Nationen ist es normal, eine Stunde später zu kommen, von beiden Parteien aus, oder auch gar nicht zu kommen.

Wir Deutschen meckern ja gerne über unsere Bürokratie. Wir müssen eingestehen. Wir meckern eigentlich ständig, aber bei der Bürokratie werden die Stimmen am lautesten. Sieben Monate Frankreich haben mir gezeigt, dass wir mit unserem System mehr als nur zufrieden sein sollten. Denn bei uns läuft es. In Frankreich auch, aber umständlicher und zeitverzögerter.

Wir Deutschen sind auch echt (zu) diszipliniert.Wird uns eine Arbeit gestellt, erledigen wir sie. Meistens können wir es auch nicht mit uns vereinbaren, es nicht zu tun. Es muss ja nicht immer perfekt sein. Hauptsachen wir tun irgendetwas. Ich sage nicht, dass andere Nationalitäten nicht diszipliniert sind. Das sind sie. Aber wir Deutschen sind dann doch verbissener. Als wir die Aufgabe gestellt bekamen, eine Hausarbeit zu schreiben, fing ich am gleichen Tag, obwohl der Abgabetermin erst zwei Monate später war. Die Finnin fing zwei Wochen vorher an und erledigte alles entspannter als ich es tat.

Nichtsdestotrotz haben wir Deutschen einen guten Ruf, wenn es um Sprachen geht. Ich wurde auch bereits öfters gefragt, ob es stimmt, dass die Deutschen fast jede Sprache perfekt können.


Natürlich ist alles, was ich hier schreibe, verallgemeinert. Es gibt Ausnahmen, nicht jeder ist gleich. Es sind meine Eindrücke von den anderen Nationalitäten. Außerdem soll das ganze zeigen, welchen tollen Erfahrungen ich mit den anderen Ländern gemacht habe. Sieht irgendjemand in meinen Sätzen etwas, was ihn darauf schließen lassen könnte, dass ich andere Länder schlecht rede bzw. Deutschland über andere Länder stelle, dann hat er sich definitiv verlesen.

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Was man wissen sollte über zwei Stunden im Kurs einer französischen Universität

Pünktlich fünfzehn Minuten vor Kursbeginn treffe ich vor dem Raum ein. Manchmal sind es auch zwanzig, manchmal nur zehn. Auf alle Fälle bin ich etwas früher da. Lieber ein paar Minuten zu früh als den Kurs zu spät zu stören. Denke ich mir. Gut ich bin tatsächlich die einzige, die da ist. Die anderen kommen immer kurz vor knapp. Gut, ich finde, dass es kurz vor knapp ist. Eigentlich sind sie pünktlich. Irgendwann taucht dann der Professor auf. Manchmal pünktlich, aber eigentlich immer zu spät. Dann beginnt der Kurs.

Es vergehen 10 bis 15 Minuten bis jeder einen Platz gefunden hat, die Sachen ausgepackt und die Unterhaltungen beendet sind. Mehrfach verschwindet der Dozent noch einmal, weil er irgendwas vergessen hat. Manchmal wird auch erst später angefangen, weil zu wenig Leute pünktlich sind. Dann wird gewartet. Auf die Studenten. Nicht auf den Dozent. Nein. Auf die Studenten. Igendwann kann es dann aber wirklich losgehen. Es dauert  nur ein paar Minuten, dann klopft es das erste Mal an der Tür. Der erste, der zu spät kommt. Also, noch viel später. Die erste Unterbrechung. Dann geht es wieder weiter. Manche Dozenten achten darauf, anderen ist es egal.

Den Kurs in einer internationalen Gruppe kann man sich so vorstellen: entweder stellt der Lehrer eine Frage und keiner meldet sich oder er stellt eine Frage und es werden einfach irgendwelche Worte in den Raum geschmissen oder der Dozent stellt eine Frage und beantwortet sie gleich selber. Das nennen Sie hier mehr oder weniger Seminar. Auf alle Fälle lässt keiner den anderen ausreden. Sätze werden meistens auch nicht ausformuliert. Meistens sind es einfach nur rein geschmissen Worte.  Wenn man es jedoch mit einer Vorlesung zu tun hat, sitzt man da, ungefähr die ganzen zwei Stunden und soll jeden Wortlaut des Lehrers aufschreiben. Der Lehrer diktiert sogar, wann man mitschreiben, welche wichtigen Punkte man herausheben und was man unterstreichen soll. Schule eben. Am Anfang habe ich so weiter gemacht, wie ich das auch an meiner Uni getan habe. Ich habe meine eigene Überschriften benutzt, Stichpunkte aufgeschrieben und nur das Wichtigste zusammengefasst. Blöderweise schauen die Dozenten in euren Unterlagen nach, was ihr tut. Schließlich wollen sie, dass man für die Abfrage in der nächsten Stunde bereit ist.

Weiter zum Kurs: Es sind wieder ein paar Minuten vergangen, eine halbe oder dreiviertel Stunde. Dann klopft es wieder. Der nächste zu spät. Manche Dozenten reagieren dann etwas verärgert, aber die meisten haben schon aufgehört überhaupt irgendwas darüber zu sagen. Auffällig ist, dass es immer die gleichen Nationalitäten sind, die so extrem zu spät kommen, und immer die gleichen, die über diese Unverschämtheit den Kopf schütteln: nämlich die Deutschen und die Engländer. (man bemerke: diese Verspätungen sind meist um 8.30, also zur ersten Stunde des Tages. Es liegt also an keinem vorherigen Kurs)

Nach einer Stunde folgt in den Vorlesungen eine kleine Pause. In den Seminaren nicht. Nur wenn das Seminar vier volle Stunden geht. Die Konzentration ist in der zweiten Hälfte des Kurses meistens deutlich angeschlagen. Zwei Stunden Kurs ist schon nervenzerrend. Vier erst recht. Wurde schon in der ersten Hälfte nicht mitgearbeitet, dann in der zweiten erst recht nicht. Das Gute ist, dass Dozenten pünktlich auf die Minute aufhören. Kaum überziehen. Dummerweise fängt der nächste Kurs zur gleichen Zeit an, wie der andere aufhört. Das bedeutet: Ende 10.30, Anfang 10.30. Nicht zu vergessen: Die Kurse liegen auf dem Campus verstreut. Früher gehen ist verboten. Verspäten ist daher normal und trotzalledem auch nicht gern gesehen. Zum Thema Logik. Geht man dann nach Hause, heißt es, Hausaufgaben machen. Meistens tu ich das, aber immer erst am Morgen vor dem Kurs. An das Schulsystem kann ich mich eben nicht gewöhnen.

Was man über französische Studentenwohnheime wissen sollte

Auf der Suche nach einer erschwinglichen Möglichkeit in Frankreich wohnen zu können, kam mir das Angebot des Studentenwohnheims bei der Bewerbung für die Universität recht gelegen. Eine Gastfamilie habe ich nicht gefunden, genauso wenig Ahnung gehabt, wie ich an ein WG-Zimmer hätte kommen können. Als dann die Zusage für das Zimmer einflatterte, war ich also umso glücklicher, weil das eine Sorge weniger bedeutete.

Bereits im Frühling dieses Jahres wohnte ich für ein zweimonatiges Praktikum bei Paris in einem Internat, auf großen Luxus hoffte ich nach dieser Erfahrung sowieso nicht mehr. Das damalige Internat besaß ein kleines, quietschendes Bett, einen Schrank, einen Tisch und eine Dusche. Toilette und Küche waren jeweils separat. Internet gab es dort auch nicht. Ich lebte also zwei Monate von der Außenwelt mehr oder weniger abgeschnitten. Bei meinem Handy den Handyvertrag ändern, hatte ich ebenfalls verbummelt und durfte ganz schön draufzahlen oder das Handy auf die Seite legen. Aus diesem Grund war ich ganz froh, dass in der Beschreibung des Studentenwohnheim stand, dass Internet mit Kabel im Zimmer möglich war. Neun Monate komplett offline hätte ich wahrscheinlich nicht überstanden.

Was man über französische Studentenwohnheime wissen sollte – Das Leben mit den etwas anderen Nachbarn

Ich wohnte in Halle in einer Einzimmer-Wohnung mit wunderbar ruhigen Nachbarn. Die neben mir gaben keinen Laut von sich, die unter mir waren wahrscheinlich taub und bekamen mein Sportgetrampel nicht mit. Die Nachbarn in Tours waren ebenfalls ganz in Ordnung. Nur wenn sie nachts um 22 Uhr begannen zu kochen. Da wurde es dann schon manchmal ganz schön laut, aber es war aushaltbar. Meine Nachbarn hier sind nun etwas speziellerer Art. Junge Studenten, die das erste Mal von zuhause ausgezogen sind und Auslandsstudenten mit anderen Gepflogenheiten. Ich kann nicht genau sagen, welcher meiner lieben Nachbarn mir am meisten die Nerven raubt:

  • der Kiffernachbar, der in gewissen Abständen um zwei Uhr nachts den Feuermelder auslöst und jeder aus dem Gebäude im Schlafanzug nach unten trotten muss, um dann nach zehn Minuten wieder hinaufzutrotten.
  • Die südländischen Genossen, die um Mitternacht eine Party auf dem Flur veranstalten und von Zimmer zu Zimmer schreien.
  • das ’nette‘ Pärchen über mir, dass ganz nach dem Lied lebt „I love it when we fight just to make up. Funny how bad words turn to making love“. Das ganze nachts um drei Uhr, im Wechsel zwischen Liebe und Streit. Ob ich ihnen mal zustecken sollte, dass das ganze Haus ihre Liebe mitbekommt?

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Es klingt schlimmer als es ist. An die Hälfte der Dinge habe ich mich bereits nach vier Monaten gewöhnt. Die positiven Dinge an einem Studentenwohnheim sollte man nicht außer Acht lassen.

  • man lebt mit vielen Studenten aus vielen Nationen zusammen, lernt sich untereinander etwas kennen bzw. man grüßt sich, weil man sich bereits vom Sehen kennt
  • die Sicherheit steht hier hoch im Kurs. Nachts befinden sich Sicherheitsleute auf dem Gelände, überwachen die Anlage.
  • Sollten Abende in der Stadt doch mal länger werden, fühlt man sich nie unsicher, spät um die Uhrzeit noch unterwegs zu sein. Viele Studenten steigen an der gleichen Haltestelle wie ich aus. Im Entenmarsch geht’s dann ins Wohnheim. Alleine ist man da nie.
  • Die Verwaltung ist ganz entspannt, wenn es um das Bezahlen der Miete geht. Man kann weit im Voraus bezahlen, oder jeden Monat zu ihnen und bezahlen. Dann ist es egal, ob man pünktlich am 1. oder erst am 12. kommt. Hauptsachen man bezahlt irgendwann im Monat. Sie sind tatsächlich richtig entspannt. Und wenn man keine Lust hat, ins Sekretariat zu dackeln, geht das ganze auch online.

Was man über das französische Unisystem wissen sollte


Sie sind eh nur Student


Ich bin es gewöhnt, dass mich die Professoren in der Uni mit meinem Nachnamen ansprechen und mich siezen. Ich finde, dass zeugt von Gleichberechtigung. Ich bin zwar Studentin, bin aber auch eine Erwachsene. Die Professoren nahmen mich für voll. Die Professoren in Frankreich hingegen duzen einen, ungehemmt, ohne zu fragen. Würde mich nicht stören, würden sie das gefragt tun. Meinen Vornamen zu sagen könnte ja von Vertrautheit zeugen, für mich eher, dass sie sich über mich stellen. Ich nenn sie ja schließlich auch „Madame“ und „Monsieur“. Peinlicherweise irriert mich das ganze Geduze. Außerdem ist die dritte Person Singular mancher Verben im Französischen leichter zu bilden als die Pluralform. Dann rutscht mir schon mal ein „tu“ heraus. Ist unangebracht, weiß ich selber. Zeugt ja nicht von Höflichkeit. Das „tu“ benutzen sie aber auch.


Willkommen zurück in der Schule


Wenn ich an meine Uni denke, dann vermisse ich vor allem,  dass ich mich während des Semesters nur auf mein Referat konzentrieren musste, sonst war da nichts zum Vorbereiten. Nicht mal für eine Prüfung. Ich schrieb ja eh nur Hausarbeiten. Hier aber gibt es Hausaufgaben und dazu Noten, auch auf die Mitarbeit. Eine Freundin erzählte mir sogar, sie würden Vokabeln abgefragt bekommen. Das universitäre System in Frankreich ist verschult. Daran muss man sich gewöhnen. Zumindest für die nächsten 9 Monate.


Zum Thema Schule…


Die Verschulung der Uni merkt man aber nicht nur an den Dozenten, sondern auch an den Studenten selber. In meiner Uni herrschte während den Seminaren Ruhe, wenn der Lehrer sprach. Es war ein Miteinander auf Augenhöhe, respektvoll. Nagut, dass mit dem Aufpassen war natürlich so eine Sache. Ich muss gestehen, dass ich in manchen Seminaren dann doch länger als gewollt am Handy saß. Dabei hab ich aber wenigstens keinen gestört. Sitzt man nun hier in den Seminaren, dann ist ständig etwas los. Pausenloses aufs Klo rennen, rascheln, es wird gegessen, geschnattert, dem Dozenten ins Wort gezischt. Man lässt den anderen nicht aussprechen, die Handys sind pausenlos auf Vibration gestellt. Meine Dozenten wären da wohl schon längst an die Decke gegangen oder hätten was gesagt. Hier ist das egal. Die halten es hier nicht mal für nötig, den „Studenten“ ein paar Manieren beizubringen. Die Dozenten erwarten auch nicht einmal, dass die Studenten die Blätter, die als Vorbereitung ins Internet gestellt wurden, ausdrucken und mitnehmen. Die Dozenten werden es eh austeilen. (man kann das natürlich nicht auf alle Studenten beziehen. Beim Großteil ist mir das dann schon aufgefallen)


Pünktlichkeit? Ordnung?


Eins lernte ich hier schnell: wenn der Unterricht um 10.30 beginnt, kommt der Dozent um 10.45, oder um 11. Je nach Lust und Laune. Die Studenten auch. Sie gehen schon von vornherein davon aus, dass der Prof sich Zeit lässt. Lustig ist auch, wenn der Prof spontan entscheidet, den Raum zu wechseln und es keinem sagt. Machen sie gerne, finden sie anscheinend lustig. Wenn man aber nicht auftaucht, sind sie pas contents.


Alles braucht seine Zeit – gilt nicht für Studenten


Die Franzosen gehen an alles etwas entspannter heran, zumindest die Dozenten und die Verwaltung. Von den Studenten wird erwartet, alles sofort zu machen, bloß nicht zu bummeln. Bei der Verwaltung schaut das anders aus. Ihre Struktur, wenn man davon überhaupt reden kann, folgt seinen eigenen Regeln, oder auch keinen. Ich blick da nicht durch. Wenn man etwas ganz dringend braucht, innerhalb von zwei Wochen, dann sollte man es vier Wochen vorher beantragen und mehrmals nachhaken. Aber nicht zu oft. Das würde zu sehr stressen. Wollen sie hingegen etwas von euch, dann macht das am besten noch gestern. Sicher ist sicher.